Wer in Bergedorf wohnt, kennt die Schlagzeilen über Schlägereien rund um das Bergedorfer Zentrum, Fahrraddiebstähle am S-Bahnhof oder Einbruchsserien in den Einfamilienhausgebieten der Vier- und Marschlande. Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man die offiziellen Zahlen heranzieht?
Wir haben den PKS-Stadtteilatlas der Polizei Hamburg[1] sowie das Jahrbuch der Polizeilichen Kriminalstatistik[2] ausgewertet und zeigen, wie sicher Bergedorf im Vergleich zu den anderen sechs Hamburger Bezirken ist, in welchen Stadtteilen die meisten Straftaten registriert werden und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat.
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Bergedorf?
- Bergedorf im Vergleich: So sicher ist der Bezirk gegenüber den anderen Hamburger Bezirken
- Die häufigsten Delikte in Bergedorf
- In welchen Bergedorfer Stadtteilen ist die Kriminalität am höchsten?
- Kriminalität im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen in Hamburg?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in Bergedorf
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Bergedorf?
Im Jahr 2025 hat die Polizei in den Stadtteilen des Bezirks Bergedorf insgesamt 8.545 Straftaten[1] mit bekanntem Tatort erfasst. Das sind 282 Fälle weniger als im Vorjahr (8.827 Straftaten in 2024), ein Rückgang um 3,2 Prozent. Damit setzt sich ein deutlicher Abwärtstrend fort: Schon von 2023 auf 2024 waren die Fallzahlen um spektakuläre 18,5 Prozent gefallen, der mit Abstand stärkste Rückgang aller Hamburger Bezirke.[3]
Bergedorf ist sowohl der einwohnerschwächste als auch der fallzahlenärmste Bezirk Hamburgs.[3] Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist der Wert pro 100.000 Einwohner, die sogenannte Häufigkeitszahl. Die Polizei Hamburg weist sie nur für die Gesamtstadt aus, nicht je Bezirk. Rechnet man die 8.545 Fälle 2025 aber auf die rund 134.400 Bergedorfer[4] um, ergibt sich ein Wert von etwa 6.356 Straftaten je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: hamburgweit lag die Häufigkeitszahl 2024 bei 11.775.[2] Bergedorf liegt damit weit unter dem städtischen Schnitt.
Die Aufklärungsquote im Bezirk Bergedorf lag 2025 bei 52,7 Prozent und damit etwas höher als 2024 (49,3 Prozent).[1] Sie liegt deutlich über der hamburgweiten Quote, die 2024 bei 47,9 Prozent lag.[3]
Wie sind die Zahlen pro 100.000 Einwohner zu lesen?
Die Häufigkeitszahl setzt die Zahl der Straftaten ins Verhältnis zur Bevölkerung und zeigt, wie viele Fälle auf 100.000 Einwohner kommen.[2] Sie macht Bezirke und Stadtteile unterschiedlicher Größe erst vergleichbar. Eine reine Fallzahl sagt für sich allein wenig aus: ein großer Bezirk mit vielen Straftaten kann pro Kopf trotzdem sicherer sein als ein kleiner Bezirk mit weniger Vorfällen.
Bergedorf im Vergleich: So sicher ist der Bezirk gegenüber den anderen Hamburger Bezirken
Hamburg führt seine Kriminalstatistik nach sieben Bezirken. Bei den absoluten Fallzahlen liegt Bergedorf 2024 mit großem Abstand auf dem letzten Platz, also dem sichersten Wert. Die folgende Übersicht zeigt die erfassten Straftaten je Bezirk im Jahr 2024, dem letzten Jahr mit vollständig konsolidiertem PKS-Jahrbuch.[2] Eine offizielle Häufigkeitszahl je Bezirk veröffentlicht die Polizei Hamburg nicht, weshalb wir hier die absoluten Fallzahlen abbilden.
| Bezirk | Straftaten 2024 | Aufklärungsquote |
|---|---|---|
| Hamburg-Mitte | 84.474 | 57,1 % |
| Wandsbek | 28.851 | 44,4 % |
| Hamburg-Nord | 27.669 | 44,7 % |
| Altona | 24.511 | 44,6 % |
| Eimsbüttel | 18.534 | 35,4 % |
| Harburg | 17.590 | 53,2 % |
| Bergedorf | 8.827 | 49,3 % |
Mit 8.827 Fällen registrierte Bergedorf 2024 nur etwa ein Zehntel der Straftaten von Hamburg-Mitte (84.474 Fälle), dem mit Abstand am stärksten belasteten Bezirk.[2] Da Bergedorf zugleich der bevölkerungsärmste Bezirk ist, fällt der Abstand pro Kopf etwas geringer aus als die nackten Fallzahlen vermuten lassen. Dennoch bleibt Bergedorf nach beiden Maßstäben einer der ruhigsten Teile Hamburgs.
Die häufigsten Delikte in Bergedorf
Wie überall in Hamburg macht Diebstahl auch in Bergedorf den größten Anteil aus. Mit deutlichem Abstand folgen Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Die Verteilung im Bezirk für das Jahr 2025 im Überblick:[1]
| Delikt | Fälle 2025 | Aufklärungsquote |
|---|---|---|
| Diebstahl insgesamt | 3.618 | 34,4 % |
| Körperverletzung insgesamt | 1.243 | 87,3 % |
| Ladendiebstahl | 1.142 | 86,2 % |
| Sachbeschädigung | 781 | 21,5 % |
| Diebstahl an oder aus Kfz | 436 | 0,9 % |
| Taschendiebstahl | 457 | 1,8 % |
| Fahrraddiebstahl | 326 | 14,7 % |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 283 | 82,7 % |
| Rauschgiftdelikte | 213 | 74,2 % |
| Raub insgesamt | 72 | 63,9 % |
| Diebstahl von Kraftwagen | 54 | 9,3 % |
| Wohnungseinbruchdiebstahl | 94 | 18,1 % |
Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:
- Diebstahl dominiert. Mit 3.618 Fällen ist gut jede vierte registrierte Straftat in Bergedorf ein Diebstahl. Innerhalb dieser Gruppe ist der Ladendiebstahl mit 1.142 Fällen klar der größte Posten und 2025 um 18,1 Prozent gestiegen, was vor allem auf Moorfleet und Neuallermöhe zurückgeht.
- Körperverletzung leicht im Plus. Die Zahl stieg von 1.206 (2024) auf 1.243 Fälle (2025), ein Plus von rund 3 Prozent. Die Aufklärungsquote ist mit 87,3 Prozent sehr hoch, weil sich Täter und Opfer bei Gewaltdelikten oft kennen.
- Wohnungseinbruch geht zurück. 94 Fälle 2025 bedeuten ein Minus von 11,3 Prozent gegenüber 2024 (106 Fälle). Trotz der Einfamilienhausgebiete in den Vier- und Marschlanden bleibt der Einbruch in Bergedorf damit ein vergleichsweise seltenes Delikt.
- Kfz-Diebstahl rückläufig. Diebstähle an oder aus Kraftwagen sanken um 15,2 Prozent auf 436 Fälle, der Diebstahl ganzer Kraftwagen sogar um 30,8 Prozent auf 54 Fälle. Die Aufklärungsquote ist hier traditionell niedrig.
In welchen Bergedorfer Stadtteilen ist die Kriminalität am höchsten?
Der Bezirk Bergedorf besteht aus 14 Stadtteilen, von den dicht bebauten Vierteln Bergedorf und Lohbrügge bis zu den ländlichen Marschlanden. Die Polizei weist die Fallzahlen für jeden Stadtteil einzeln aus.[1] Eine Häufigkeitszahl je Stadtteil veröffentlicht sie nicht, deshalb bilden wir hier die absoluten Fälle für 2025 ab. Sie zeigen klar, wo das Geschehen sich ballt.
| Rang | Stadtteil | Fälle 2025 | Aufklärungsquote |
|---|---|---|---|
| 1 | Bergedorf | 3.349 | 54,1 % |
| 2 | Lohbrügge | 2.515 | 53,2 % |
| 3 | Neuallermöhe | 1.119 | 50,4 % |
| 4 | Billwerder | 409 | 70,9 % |
| 5 | Moorfleet | 283 | 59,4 % |
| 6 | Allermöhe | 282 | 24,1 % |
| 7 | Kirchwerder | 234 | 44,4 % |
| 8 | Curslack | 120 | 60,0 % |
| 9 | Neuengamme | 79 | 31,6 % |
| 10 | Ochsenwerder | 66 | 30,3 % |
| 11 | Altengamme | 46 | 39,1 % |
| 12 | Tatenberg | 23 | 56,5 % |
| 13 | Reitbrook | 10 | 60,0 % |
| 14 | Spadenland | 10 | 20,0 % |
Der Stadtteil Bergedorf selbst ist mit 3.349 Fällen die mit Abstand am stärksten belastete Region. Das hat mit der Lage zu tun: hier liegen das Einkaufszentrum CCB, der historische Ortskern mit Schloss und die Verkehrsknoten rund um den Bahnhof, an denen Ladendiebstahl, Taschendiebstahl und Körperverletzung am häufigsten registriert werden.
Lohbrügge als bevölkerungsreichster Stadtteil folgt mit 2.515 Fällen auf Platz zwei, Neuallermöhe mit 1.119 Fällen auf Platz drei. Am unteren Ende stehen die dünn besiedelten Marschland-Stadtteile: in Reitbrook und Spadenland wurden 2025 jeweils nur zehn Straftaten erfasst, in Tatenberg 23. Hier ist Kriminalität im Alltag praktisch kein Thema.
Kriminalität im Zeitverlauf
Über die letzten Jahre hat sich die Kriminalität in Bergedorf spürbar entspannt. Nach einem Höchststand 2023 mit 10.828 Fällen brach die Zahl 2024 auf 8.827 ein, der stärkste Rückgang aller Hamburger Bezirke. 2025 ging sie weiter leicht zurück auf 8.545 Fälle.[1] Den Hauptanteil am Einbruch 2024 hatten rückläufige Diebstahlsdelikte (minus 1.431 Fälle).[3]
Erfasste Straftaten im Bezirk Bergedorf pro Jahr (Tatorte innerhalb der Stadtteile). Quelle: PKS-Stadtteilatlas Polizei Hamburg.
Gemessen an der wachsenden Bevölkerung ist Bergedorf damit klar sicherer geworden. Rechnerisch sank die Häufigkeitszahl von rund 8.065 Fällen je 100.000 Einwohner 2023 auf etwa 6.356 in 2025, ein Minus von gut 21 Prozent. Detailzahlen zum Bezirk findest du auch in unserer Bergedorf-Statistik.
Wer sind die Tatverdächtigen in Hamburg?
Hinweis zur Datenebene
Die Polizei Hamburg veröffentlicht Zahlen zu Tatverdächtigen nur hamburgweit, nicht je Bezirk. Die folgenden Anteile gelten für ganz Hamburg und beziehen sich auf das letzte vollständig ausgewertete Berichtsjahr 2024. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Bergedorf übertragen.
2024 hat die Polizei Hamburg 66.981 Tatverdächtige ermittelt[2], 3.271 weniger als im Vorjahr (minus 4,7 Prozent). Auch die Zahl der jüngeren Tatverdächtigen unter 21 Jahren ging zurück.
Ein knappes Drittel der in Hamburg ermittelten Tatverdächtigen wohnt nicht in der Stadt: nur 62,1 Prozent aller Tatverdächtigen haben einen Wohnsitz in Hamburg, der Rest sind Pendler, Reisende oder Reisetäter.[3]
Deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige im Vergleich
Bei allen Straftaten zusammen entfielen 2024 hamburgweit[2]:
- 48,1 Prozent der Tatverdächtigen auf deutsche Staatsangehörige (32.210 Personen)
- 51,9 Prozent auf nichtdeutsche Staatsangehörige (34.771 Personen)
Dieser Gesamtwert enthält auch die ausländerrechtlichen Verstöße, etwa unerlaubten Aufenthalt, die naturgemäß nur Nichtdeutsche begehen können und die 2024 durch verstärkte Kontrollen zunahmen. Die Anteile schwanken je nach Deliktgruppe erheblich. Eine Übersicht für ausgewählte Bereiche, jeweils hamburgweit:
| Deliktgruppe | Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2024, Hamburg) |
|---|---|
| Diebstahl unter erschwerenden Umständen (u. a. Einbruch) | 64,9 % |
| Diebstahl insgesamt | 58,8 % |
| Vermögens- und Fälschungsdelikte | 56,1 % |
| Gewaltkriminalität | 51,9 % |
| Rohheitsdelikte (u. a. Raub, Körperverletzung) | 46,0 % |
| Straftaten gegen das Leben | 43,7 % |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 39,1 % |
Besonders hoch ist der Anteil beim schweren Diebstahl, zu dem auch der Wohnungseinbruch zählt: 64,9 Prozent der Tatverdächtigen sind hier nichtdeutsche Staatsangehörige.[2] Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegt der Anteil mit 39,1 Prozent am niedrigsten.
Was ist mit dem Migrationshintergrund?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, also den Pass, nicht den Migrationshintergrund einer Person. Ein in Hamburg geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung nach Migrationshintergrund gibt die PKS nicht her.
Die Polizei Hamburg weist im Jahrbuch zudem ausdrücklich darauf hin, dass ein Migrationshintergrund kein kriminologischer Ursachenfaktor ist. Dahinter liegen Faktoren wie Ausgrenzungserfahrungen, eine delinquente Peergroup oder gewaltfördernde Einstellungen, die ebenso in deutschen Gruppen vorkommen, vor allem bei als benachteiligt geltenden Milieus.[2]
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach polizeilichem Abschluss der Ermittlungen.[5] Eine Verurteilung ist damit nicht ausgesprochen, jeder Tatverdächtige gilt bis zum Urteil als unschuldig.
- "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Siehe Erläuterung oben.
- Touristen, Pendler und Reisende sind enthalten. Wer als Auswärtiger in Hamburg straffällig wird, taucht in der Statistik auf, obwohl er anderswo wohnt. Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen wohnt nur knapp die Hälfte in Hamburg.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten kriminalitätsbelastete Gruppe. Da die nichtdeutsche Wohnbevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile, ohne dass sich daraus eine Aussage über einzelne Personen ableiten ließe.
- Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnviertel und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Bergedorf
Welcher Bergedorfer Stadtteil hat die meisten Straftaten?
Der Stadtteil Bergedorf führt das Bezirksranking 2025 mit 3.349 erfassten Fällen an, gefolgt von Lohbrügge (2.515) und Neuallermöhe (1.119).[1] Hier konzentrieren sich Einzelhandel, Bahnhof und die belebten Ortskerne.
Welcher Stadtteil gilt als sicherster?
Die ländlichen Marschland-Stadtteile sind am ruhigsten. In Reitbrook und Spadenland wurden 2025 jeweils nur zehn Straftaten registriert, in Tatenberg 23.[1] Auch gemessen an ihrer geringen Einwohnerzahl bleibt Kriminalität dort eine seltene Ausnahme.
Wie sicher ist Bergedorf im Vergleich zu den anderen Hamburger Bezirken?
Bergedorf ist 2024 mit 8.827 Fällen der Bezirk mit den wenigsten Straftaten in ganz Hamburg und liegt weit hinter Hamburg-Mitte (84.474 Fälle).[2] Zugleich verzeichnete Bergedorf von 2023 auf 2024 mit minus 18,5 Prozent den stärksten Rückgang aller Bezirke.[3]
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Bergedorf?
Im Bezirk Bergedorf lag die Aufklärungsquote 2025 bei 52,7 Prozent und damit über dem hamburgweiten Wert von 47,9 Prozent (2024).[1][3] Bei Körperverletzungen erreicht sie im Bezirk rund 87 Prozent, bei Diebstahl dagegen nur etwa 34 Prozent.
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Hamburg?
Bei allen Straftaten zusammen lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2024 hamburgweit bei 51,9 Prozent.[2] Dieser Wert enthält die ausländerrechtlichen Verstöße. Wichtig: die PKS erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund, und eine bezirksbezogene Aufschlüsselung gibt es nicht.
Wie hat sich die Kriminalität in Bergedorf entwickelt?
Nach dem Höchststand 2023 (10.828 Fälle) sanken die Zahlen 2024 auf 8.827 und 2025 auf 8.545 Fälle.[1] Bezogen auf die wachsende Bevölkerung ist die rechnerische Häufigkeitszahl seit 2023 um gut ein Fünftel zurückgegangen. Bergedorf ist damit zuletzt deutlich sicherer geworden.