Bergedorf wird von vielen Hamburgern unterschätzt. Wer an die Stadt denkt, denkt an Alster, Hafen und Reeperbahn, selten an den südöstlichsten Bezirk, der mit der S-Bahn keine halbe Stunde vom Hauptbahnhof entfernt liegt. Dabei ist Bergedorf der einzige Hamburger Bezirk mit einem eigenen Schloss, einer richtigen kleinen Altstadt und einem Hinterland, das zu den größten Naturlandschaften der Stadt gehört.
Wer den Weg auf sich nimmt, findet einen Ort mit eigener Geschichte: ein Wasserschloss aus dem Mittelalter, einen alten Hafen an der Bille, eine international bedeutende Sternwarte und vor den Toren die weiten Vier- und Marschlande mit Deichen, Windmühlen und Hamburgs letzter Wanderdüne. Elf Orte, die zeigen, warum sich die Fahrt nach Bergedorf lohnt.
- 1. Bergedorfer Schloss
- 2. Historischer Stadtkern und Sachsentor
- 3. Kirche St. Petri und Pauli mit dem Hasse-Haus
- 4. Bergedorfer Hafen am Serrahn
- 5. Hamburger Sternwarte in Bergedorf
- 6. Vier- und Marschlande
- 7. Zollenspieker Fährhaus
- 8. Riepenburger Mühle in Kirchwerder
- 9. Boberger Niederung mit der Wanderdüne
- 10. KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- 11. Bergedorfer Gehölz und die Bille
- Ausblick: Bergedorf für Besucher
- Quellen
1. Bergedorfer Schloss
- Adresse: Bergedorfer Schloßstraße 4, 21029 Hamburg
- Eintritt: Museum ca. 5 Euro, Park frei
- Geeignet für: Familien, Geschichtsinteressierte, Spaziergänger
- Verkehr: S-Bahn Bergedorf (S2, S5), wenige Minuten Fußweg
Das Bergedorfer Schloss ist das einzige erhaltene Schloss auf Hamburger Stadtgebiet. Seine Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als hier eine von einem Graben umgebene Wasserburg entstand. Über die Jahrhunderte wurde die Anlage immer wieder umgebaut und erweitert, die heutigen Backsteinflügel im Stil der Renaissance stammen überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Seit 1953 beherbergt das Schloss das Museum für Bergedorf und die Vierlande, das die Geschichte des Bezirks und der umliegenden Marschlande zeigt. Rund um das Gebäude liegt der Schlosspark mit altem Baumbestand, einem kleinen See und dem von Karl Garbers geschaffenen Bismarck-Denkmal. Im Sommer ist der Park ein beliebter Treffpunkt, wer mehr über die Wurzeln des Bezirks wissen will, findet im Geschichtsüberblick zu Bergedorf den größeren Zusammenhang.
2. Historischer Stadtkern und Sachsentor
- Adresse: Sachsentor und Alte Holstenstraße, 21029 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Stadtbummler, Architekturfreunde, Familien
- Tipp: Wochenmarkt und alteingesessene Geschäfte
Wer aus dem Bahnhof kommt, steht schnell mitten im historischen Kern von Bergedorf. Das Sachsentor ist die zentrale Einkaufsstraße und heute weitgehend Fußgängerzone, gesäumt von Fachwerkhäusern, gründerzeitlichen Fassaden und kleinen Läden. Anders als in vielen Stadtteilzentren hat sich hier ein eigener, fast kleinstädtischer Charakter erhalten.
Rund um das Sachsentor und die Alte Holstenstraße liegen einige der ältesten Gebäude des Bezirks. Wer durch die Gassen schlendert, bemerkt den Wechsel zwischen schiefen Fachwerkhäusern und repräsentativen Bürgerhäusern, dazwischen Cafés und Bäckereien. Einen Überblick über die Lokale gibt unsere Auswahl an Cafés in Bergedorf.
3. Kirche St. Petri und Pauli mit dem Hasse-Haus
- Adresse: Bergedorfer Schloßstraße, 21029 Hamburg
- Eintritt: frei (Hasse-Archiv zu bestimmten Zeiten)
- Geeignet für: Musikfreunde, Geschichtsinteressierte
- Highlight: Geburtshaus des Komponisten Johann Adolf Hasse
Die Hauptkirche von Bergedorf ist St. Petri und Pauli, deren Ursprung weit ins Mittelalter zurückreicht. Der markante Westturm wurde 1759 von Ernst Georg Sonnin entworfen, demselben Baumeister, der auch die Hamburger Michaeliskirche schuf. Im Inneren lohnen Kanzel, Altar und die historische Orgeltradition einen Blick.
Direkt neben der Kirche steht das Hasse-Haus, das frühere Organistenhaus. Hier wurde 1699 Johann Adolf Hasse geboren, einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit, dessen Vater an St. Petri und Pauli Organist war. Es gilt als das einzige erhaltene Geburtshaus eines bedeutenden Hamburger Komponisten und beherbergt heute das Hasse-Archiv.
4. Bergedorfer Hafen am Serrahn
- Adresse: Serrahn, 21029 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Flaneure, Familien, Industriekultur-Fans
- Highlight: historischer Hafenkran von 1902
An der Bille, mitten im Zentrum, liegt der Bergedorfer Hafen am Serrahn. Der heutige Hafen wurde zwischen 1900 und 1902 als moderne Erweiterung der älteren Anlage gebaut, erstmals mit gemauerten Kaimauern statt nur hölzerner Bohlwerke. Umgeschlagen wurden vor allem Baustoffe, Brennmaterial und Stückgut.
Aus dieser Zeit ist bis heute ein elektrischer Drehkran erhalten, ein Fünf-Tonnen-Kran von 1902, der nach einer Restaurierung wieder am Ufer steht und an die Frachtschifffahrt erinnert. Mit dem Bau der Bergedorfer Straße in den 1950er Jahren endete der gewerbliche Schiffsverkehr, weil unter der Brücke zu wenig Platz für große Kähne blieb. Heute prägen Ausflugsboote, Promenade und Gastronomie das Bild am Wasser.
5. Hamburger Sternwarte in Bergedorf
- Adresse: Gojenbergsweg 112, 21029 Hamburg
- Eintritt: Gelände frei, Führungen teils kostenpflichtig
- Geeignet für: Technikbegeisterte, Familien, Astronomiefreunde
- Highlight: Großer Refraktor mit 60 cm Öffnung
Auf dem Gojenberg im Süden Bergedorfs liegt die Hamburger Sternwarte, ein Institut der Universität Hamburg und ein Kulturdenkmal von internationalem Rang. Die Anlage wurde zwischen 1906 und 1912 nach Plänen des Hamburger Baumeisters Albert Erbe im neobarocken Stil errichtet und 1912 offiziell eingeweiht. Seit 2008 sind die Bauten als nationales Denkmal anerkannt.
Über den weitläufigen Park verteilen sich mehrere historische Kuppelbauten. Das bekannteste Instrument ist der Große Refraktor mit 60 Zentimeter Objektivöffnung und neun Metern Brennweite, einer der größten Linsenfernrohre Deutschlands. Der Förderverein der Sternwarte macht das Gelände mit Führungen, Vorträgen und öffentlichen Beobachtungsabenden zugänglich. Wer den weiten Blick mag, ergänzt den Besuch mit den Stadtteilen von Bergedorf als Orientierung.
6. Vier- und Marschlande
- Region: Süden des Bezirks Bergedorf entlang von Elbe und Dove Elbe
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Radfahrer, Wanderer, Familien
- Tipp: Touren entlang der Deiche und Wettern
Südlich des Stadtkerns beginnt eine Landschaft, die in Hamburg ihresgleichen sucht. Die Vier- und Marschlande umfassen mehrere Stadtteile des Bezirks und erstrecken sich über rund 132 Quadratkilometer, also fast ein Fünftel der gesamten Hamburger Fläche. Es ist eines der größten Gemüse- und Blumenanbaugebiete Deutschlands.
Die flache, von Deichen, Gräben und Gewächshäusern geprägte Marschlandschaft lässt sich am besten mit dem Rad erkunden. Auf gut ausgebauten Wegen geht es vorbei an alten Bauernhäusern, Dorfkirchen und kilometerlangen Wettern. Wer Ruhe und Weite sucht, ist hier richtig, das Tempo ist ein anderes als in der Innenstadt.
7. Zollenspieker Fährhaus
- Adresse: Zollenspieker Hauptdeich 141, 21037 Hamburg (Kirchwerder)
- Eintritt: frei (Restaurant und Hotel)
- Geeignet für: Ausflügler, Radfahrer, Genießer
- Highlight: südlichster Punkt Hamburgs an der Elbe
Am südlichsten Punkt Hamburgs, direkt an der Elbe, liegt das Zollenspieker Fährhaus. Der Ort wurde bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und war über Jahrhunderte ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit Zollstation und einer der ältesten Elbfährstellen der Region. Das heutige Gebäude geht auf einen Wiederaufbau von 1621 zurück, mit Backstein im Erdgeschoss und Fachwerk darüber.
Heute beherbergt das denkmalgeschützte Haus ein Restaurant und ein Hotel. Vom Deich aus blickt man weit über die Elbe, im Sommer verkehrt von hier eine Fähre ans niedersächsische Ufer. Wer mag, setzt sich ins winzige Pegelhäuschen am Wasser, das früher dem Messen des Pegelstands diente und in dem nur eine Handvoll Gäste Platz findet.
8. Riepenburger Mühle in Kirchwerder
- Adresse: Kirchwerder Mühlendamm 75a, 21037 Hamburg
- Eintritt: Mühlenführungen an Öffnungstagen
- Geeignet für: Familien, Technikfreunde, Schulklassen
- Highlight: älteste und größte erhaltene Mühle Hamburgs
Mitten in den Marschlanden steht die Riepenburger Mühle, ein Galerieholländer, der 1828 errichtet wurde. Sie gilt als die älteste und größte erhaltene Getreidewindmühle Hamburgs. Am Standort wird seit dem frühen 14. Jahrhundert gemahlen, die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle an dieser Stelle stammt aus dem Jahr 1318.
Heute wird die Mühle von einem Verein als Lehrmühle für historische Müllerei und Mühlenbautechnik betrieben. An Öffnungstagen gibt es Führungen durch das Bauwerk, die zeigen, wie aus Korn Mehl wird. Die Mühle ist ein guter Ankerpunkt für eine Radtour durch die Vierlande.
9. Boberger Niederung mit der Wanderdüne
- Adresse: Zugang über Boberger Furt, 21033 Hamburg (Lohbrügge)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Naturfreunde, Wanderer, Familien
- Highlight: letzte Wanderdüne Hamburgs
Im Nordwesten des Bezirks, an der Grenze zwischen Lohbrügge und Billwerder, liegt die Boberger Niederung. Das Naturschutzgebiet steht seit 1991 unter Schutz und zählt zu den artenreichsten Lebensräumen der Stadt. Auf engem Raum wechseln sich Sanddünen, Trockenrasen, Feuchtwiesen und Erlenbrüche ab.
Das Herzstück ist die Boberger Düne, die letzte Wanderdüne Hamburgs. Sie ist ein Rest jener Binnendüne, die früher über viele Kilometer vom heutigen Innenstadtrand bis nach Bergedorf reichte. Spazier- und Radwege erschließen das Gebiet, von den Sandflächen aus fühlt man sich für einen Moment weit weg von der Großstadt. Sportlich aktive finden die Hallen und Studios der Umgebung in unserer Übersicht der Fitnessstudios in Bergedorf.
10. KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- Adresse: Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Erwachsene, Schulklassen, historisch Interessierte
- Verkehr: S-Bahn Bergedorf, dann Bus 127 oder 227
Im Süden des Bezirks erinnert die KZ-Gedenkstätte Neuengamme an das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands. Zwischen 1938 und 1945 waren hier mehr als 100.000 Menschen inhaftiert, viele von ihnen wurden durch Zwangsarbeit, Hunger und Gewalt getötet. Die Gedenkstätte gehört heute zu den größten ihrer Art in Deutschland.
Auf dem weitläufigen Gelände sind zahlreiche bauliche Reste aus der Lagerzeit erhalten, dazu kommen mehrere Ausstellungen, ein Studienzentrum und Gedenkorte. Der Eintritt ist frei. Ein Besuch ist kein Ausflug im üblichen Sinn, aber ein wichtiger Ort der Erinnerung, der zum Bezirk Bergedorf gehört.
11. Bergedorfer Gehölz und die Bille
- Adresse: Bergedorfer Gehölz, 21029 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Familien, Hundehalter
- Saison: ganzjährig, am schönsten im Frühjahr und Herbst
Gleich am Rand des Stadtkerns liegt das Bergedorfer Gehölz, ein altes Waldgebiet entlang der Bille. Mit seinen Buchen, Eichen und schmalen Pfaden ist es das nächstgelegene Stück Natur für viele Bergedorfer und an Wochenenden gut besucht. Vom Schloss aus ist man in wenigen Minuten dort.
Die Bille, der kleine Fluss, der Bergedorf durchzieht und am Serrahn aufgestaut wird, verbindet Gehölz, Hafen und Innenstadt. Entlang des Ufers führen Wege, die sich gut mit einem Bummel durch die Altstadt verbinden lassen. Für eine Pause unterwegs lohnt ein Blick in unsere Auswahl an Bäckereien in Bergedorf.
- Alter Bahnhof Bergedorf: Empfangsgebäude von 1842, eines der ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude Deutschlands
- Kirchwerder Wiesen: mit rund 860 Hektar das größte Naturschutzgebiet Hamburgs, ideal für lange Radtouren
- Serrahn im Sommer: Ausflugsboote, Eis am Wasser und Blick auf den alten Hafenkran
Ausblick: Bergedorf für Besucher
Bergedorf ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Bezirk, in dem Stadt und Land nah beieinanderliegen: vormittags Schloss, Hafen und Sternwarte, nachmittags Deich, Düne und Mühle. Mit der S-Bahn ist alles gut erreichbar, das Hinterland erschließt sich am besten mit dem Rad.
Wer sich Zeit nimmt, merkt schnell, dass dieser Teil Hamburgs eine eigene Geschichte erzählt, älter und ruhiger als die Innenstadt. Ein langer Tag am Wasser, ein Spaziergang durch die Marschlande oder ein Besuch im Museum: Bergedorf belohnt jeden, der den Weg in den Südosten der Stadt findet.